Ich bin extravertiert. Nicht extrovertiert – das ist kein Rechtschreibfehler, sondern der psychologische Fachbegriff. Meine Extraversion ist stark ausgeprägt und wird oft als mein ganzes Wesen gelesen. Dabei ist sie nur ein Teil davon.

Extraversion ist eines von fünf Persönlichkeitsmerkmalen im Big-5-Modell, einem etablierten Modell der Persönlichkeitsforschung. Es beschreibt Persönlichkeit über fünf stabile Merkmale, die bei jedem Menschen in unterschiedlicher Stärke vorhanden sind. Niemand ist nur „das eine“. Wir sind immer eine Kombination.

Diese fünf Merkmale sind:

Extraversion – Energie aus sozialen Situationen, Durchsetzungsstärke Verträglichkeit – Vertrauen, Kooperationsbereitschaft Offenheit – Neugier, Reflexionsfähigkeit, Kreativität Gewissenhaftigkeit – Struktur, Zuverlässigkeit, Zielorientierung Neurotizismus – emotionale Sensibilität, Stressempfinden

Wichtig ist: Persönlichkeit ist neutral. Sie ist keine Ausrede und kein Urteil. Sie zeigt lediglich, was uns leichtfällt und was uns mehr Energie kostet. Genau hier liegen unsere Bedürfnisse.

Viele innere Spannungen entstehen nicht, weil wir falsch sind, sondern weil wir versuchen, gegen unsere Persönlichkeit zu leben. Wir wollen reduzieren, klarer werden, einfacher leben – ohne zu wissen, was wir eigentlich brauchen.

Für mich war das Wissen über meine eigene Persönlichkeitsstruktur entlastend. Es hat mir erklärt, warum ich manches suche und anderes meide. Vor allem aber hat es mein Bewusstsein geschärft: Ich muss nicht alles können oder wollen.

Reduktion beginnt nicht mit Weglassen, sondern mit Verstehen.

Erst wenn wir wissen, was wir brauchen, können wir entscheiden, was wir nicht brauchen.

Wissen ist Macht – vor allem, wenn es Wissen über dich selbst ist.


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